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Ein Unternehmen mit einer über 400-jährigen Geschichte ist in erster Linie natürlich seiner Tradition verpflichtet. Dennoch dürfen Trends nicht verpasst werden und Konventionen nicht zum kreativen Gefängnis werden.


Eines meiner Leitsätze für die Entwicklung des IMAGIN war der Satz: "Traditionen wahren und Konventionen brechen." Im ersten Augenblick mag es wie die Quadratur des Kreises klingen, aber genau das bringt es für mich auf den Punkt. Sicher, es ist ein Spagat und kann auch gehörig schiefgehen. Kleine Craft-Brennereien wie die Neuzeller Klosterbrennerei können aber eben auch agiler mit neuen Ideen umgehen und zügiger kleine Versuchsmengen umsetzten.

Verschiedene Zutaten in Glasschalen

Tradition verpflichtet

Mit der langen Geschichte sind natürlich traditionelle Produkte verbunden. Dazu zählen auf jeden Fall die Sorten Rosa Thyminest und Kräutzeller, also Kräuterliköre. Tatsächlich sind Kräuter aus Tinkturen hervorgegangen. Damit die oft sehr bitteren Kräuterauszüge genießbarer wurden, hat man sie mit zum Teil sehr viel Zucker gesüßt. Irgendwann wurden die Tinkturen dann zum Genussmittel und eben nicht nur bei Krankheit getrunken.

Historische Ansicht aus Richtung 'An der Kanzlei'

Aber auch Brände und Geiste aus Obst zählen zu den traditionellen Spirituosen und dürfen in keinem Sortiment einer Brennerei fehlen. Schon deswegen, weil der Obstanbau in der Region auch eine sehr lange Tradition hat. Viele Flächen in Markendorf bei Frankfurt (Oder) werden heute noch bewirtschaftet und sind Lieferant der Neuzeller Klosterbrennerei.
Diese Produkte und deren Tradition müssen bewahrt werden. Qualität und Authentizität müssen von kleinen ehrlichen Brennereien erhalten und gepflegt werden.

Konventionen brechen

Gibt man Traditionen auf, wenn man Konventionen bricht? Nun es gibt meiner Meinung nach keine Entwicklung, wenn Konventionen stur befolgt und diese nicht infrage gestellt werden. Daher ist es aus meiner Sicht richtig, Dinge zu hinterfragen. Im Ergebnis muss es logischerweise zu einer Verbesserung kommen, zu einem besserem oder neuen Produkt.

Ich möchte dabei ganz speziell auf die Entwicklung des IMAGIN zurückkommen. Der warme Geschmack und das besonders weiche Bukett wären nie Eigenschaften des IMAGIN geworden, wenn ich mich an klassische und bekannte Zutaten gehalten hätte. Kein industrieller Gin oder auch Ginsorten mit reinem Agenturhintergrund lagern ihren Gin mindestens 12 Monate. In kurzer Zeit werden diese in die Flasche gebracht und verkauft. Das Gleiche gilt auch für die Destillation. Es können so viele Fehler gemacht werden, bei diesem Schritt und auch hier kann man Konventionen brechen, um bessere Destillate zu bekommen.

Destillation eines Kräuteransatzes

Konventionen zu brechen heißt, ein gutes Produkt auch besser zu machen und dem Produkt einen eigenen persönlichen Stempel aufzudrücken. Das ist aus meiner Sicht die größere Herausforderung. Einen sehr gutes Destillat herzustellen ist schon schwierig genug, einen guten Hausstil zu entwickeln, ist nochmal schwieriger.

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